Wussten Sie, dass…

es in Japan die Vorstellung einer besonderen Ästhetik des Abgenutzten und Vergänglichen gibt?

Die Künstlerin Patricia Thoma in der Ausstellung im Edwin Scharff Museum

WabiSabi nennt sich dieses Konzept, das Schönheit in jedem Aspekt der Natur, erscheint er noch so unvollkommen, nachspürt. Es ist eine Ästhetik der Dinge, die die Nutzungsspuren aufweisen, gealtert sind oder auf andere Art und Weise unvollkommen erscheinen gelten. Beeinflusst sind die Ansichten hinter WabiSabi von denen des Zen-Buddhismus‘, die u.a. auf den Merkmalen der Vergänglichkeit basieren. WabiSabi steht damit auch im Gegensatz zum Konzept einer vor allem in den westlichen Kulturen verbreiteten Vorstellung von Perfektion und Makellosigkeit, die es zu erlangen gälte. Es stellt stattdessen Natürlichkeit, Schlichtheit und das Altern vielbenutzter Gegenstände in den Vordergrund. WabiSabi ist fester Bestandteil der japanischen Kultur und beeinflusst sowohl das alltägliche Leben der Menschen – als auch die Architektur und Kunst.

Die Bedeutung des Wortes
Wabi’ drückt Einfachheit, Vergänglichkeit, aber auch Stille aus, während Sabi’ die Wirkung der Zeit auf ein Objekt, sein Altern in Schönheit verdeutlicht. Zusammengefügt ergibt sich daraus die Philosophie der Wertschätzung des Vergänglichen.

Patrica Thoma und das Konzept des WabiSabi

Patricia Thoma, deren Arbeiten derzeit bei uns im Museum zu sehen sind, hat auf ihren zahlreichen Reisen auch viele asiatische Länder kennengelernt. Mit einem wachen Blick für die jeweilige Kultur und alle Kulturpraktiken, die aus etwas Altem und wertlos Gewordenem etwas Neues schaffen, konnte ihr die Ästhetik des WabiSabi nicht entgehen. So beharren etwa Thomas‘ Zeichnungen von gesammelten Plastikflaschen oder der Wildwuchs an illegal errichteten Gebäuden in Manila auf der Schönheit des Vorgefundenen.

Quellen:
Koren, L. (1994). Wabi-Sabi for Artists, Designers, Poets & Philosophers. Berkeley, California: Stone Bridge Press.
Stanford Encyclopedia of Philosophy: Japanese Aesthetics