Wilde Fohlen und eigenwillige Ziegenböcke

Kühn, Zigarette rauchend und selbstbewusst mit hohen Absätzen steht die 1,78 m große Künstlerin neben dem Bildhauer Aristide Maillol, dem Maler Max Liebermann und Albert Einstein. Dabei überragt sie die Männer ein wenig – ein Sinnbild etwa auch für ihre Kunst als Bildhauerin? Aristide Maillol jedenfalls war begeistert von ihren Werken, wie auch wir hier im Museum!

„Umso schöner ist es, dass wir die Ausstellung nun noch bis zum 17. Januar zeigen können!“, sagt Dr. Helga Gutbrod. Die Rückmeldungen der Besucher*innen zur Ausstellung zeigen: diese Künstlerin ist eine Entdeckung, deren Werke auch einen zweiten Blick lohnen.

Renée Sintenis: Schönmachender Hund Philipp, 1927, Bronze
Sammlung Karl H. Knauf, Berlin
Foto: Bernd Sinterhauf, Berlin
VG Bild-Kunst, Bonn, 2020

Renée Sintenis gehörte der ersten Generation der Bildhauerinnen in Deutschland an, die sich in der Männerdomäne der Kunstwelt behauptete. Nicht an der akademischen Tradition orientiert, sondern an dem, was für sie von Interesse war, schuf sie ihre Plastiken. Für Sintenis waren dies vor allem Tiere: die Gesellschaft von Pferden und Hunden zog sie jederzeit der von Menschen vor. Ihrer genauen Beobachtungsgabe ist es zu verdanken, dass die wilden Fohlen so lebendig wirken, als sprängen sie im nächsten Moment davon und die Ziegenböcke so eigenwillig daher kommen, dass man über sie lachen möchte.

Sintenis guter Freund, der Schriftsteller Hans Siemsen war so begeistert über die haptische Qualität ihrer kleinen Tierplastiken, dass er schrieb: „Es ist so gemacht, dass man, wenn man es in die Hand genommen hat, sich nicht entschließen kann, es wieder herzugeben. Es macht zärtlich. Man muss es anfassen! Und kein Mensch denkt daran, dass das, was er da in der Hand hält nur ein Stück Metall, nur ein Stück Bronze ist.“  

Wer neugierig geworden ist und sich selbst ein Bild der Künstlerin machen möchte, kann dies auch in kunsthistorischer Begleitung oder mittels einer literarischen Reise tun:

Florian L. Arnold und Tini Prüfert lesen am Sonntag, den 11. Oktober um 11.30 Uhr aus Werken von Alfred Döblin oder Kurt Tucholsky und lassen das Lebensgefühl des Berlins der 1920er Jahre aufleben. 

Am Sonntag, den 18. Oktober, ebenfalls um 11.30 Uhr, gibt die Kunsthistorikerin Heidrun Heil einen kunsthistorischen Einblick in die Ausstellung und steht im Anschluss für Fragen zur Verfügung.